Eiserne Gesetze der Märkte: Das Informations-Paradoxon

An der Börse scheint nichts sicher zu sein. Manchmal gibt es gute Nachrichten und die Kurse gehen runter, ein anderes Mal ist es genau umgekehrt. Manchmal macht eine Aktie neue Hochs und steigt dann weiter an, manchmal dreht sie sofort wieder um. Manchmal machst du alles genau richtig nach Handelsplan und verlierst dennoch – und ein anderes Mal gewinnst du, obwohl der Trade überhaupt keinen Sinn gemacht hatte.

In all diesem Chaos gibt es ein paar fundamentale Zusammenhänge, die immer gelten. Heute stelle ich dir das erste “eiserne Gesetz” vor: Es ist unmöglich, dass die Märkte immer alle Informationen vollständig berücksichtigen.

Das klingt jetzt erstmal nicht besonders dramatisch. Aber es hat weitreichende Konsequenzen für Theorie und Praxis, wie du gleich sehen wirst.

Früher glaubte man, dass die Märkte absolut effizient sind. Dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt alle verfügbaren Informationen richtig widerspiegeln. Diese Theorie nennt sich Efficient Market Hypothesis, kurz EMH.

Und “früher” ist noch gar nicht so lange her. Aufgestellt wurde die EMH in den 1960er Jahren von Eugene Fama. [1] Für rund 30 Jahre war dies die herrschende, anerkannte Theorie in der Finanzmarktforschung.

Doch schon im Jahr 1980 bekam die EMH einen ersten Riss: Sanford J. Grossman und Joseph E. Stiglitz veröffentlichten ihr heute weltbekanntes Paper “On the Impossibility of Informationally Efficient Markets” [2]. Dort lieferten sie den Beweis, dass die strenge Form der Informationseffizienz, die der EMH zugrundeliegt, nicht existieren kann.

Die zentrale Argumentation: Wenn die Märkte tatsächlich vollkommen informationseffizient wären, dann würden diejenigen, die unter Zeit- und Kostenaufwand die nötigen Informationen sammeln, damit die Preise effizient sind, keine Entlohnung erhalten.

Genau das ist das Problem – oder würdest du für umsonst arbeiten? Wenn es also am Markt keine Entlohnung gibt, dann macht sich niemand die Mühe, die Informationen zu sammeln und auszuwerten.

Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn wenn niemand Informationen sammelt, können die Kurse an den Märkten nicht effizient sein. Dieses “Informationsparadoxon” ist ein handfestes Argument gegen die EMH.


“… because information is costly, prices cannot perfectly reflect the information which is available, since if it did, those who spent resources to obtain it would receive no compensation.” [1], S. 405.


Was bedeutet das Ganze nun für die Praxis? Da die Märkte nicht immer alle Informationen vollständig berücksichtigen, kann man sich einen Vorteil beim Handel verschaffen. Es ist also möglich, die Märkte zu schlagen.

Das heißt aber nicht, dass es einfach ist! Denn die Konkurrenz an den Märkten ist hart und jeder möchte einen Vorteil erzielen. Im Ergebnis sind die Märkte also “halbwegs effizient” – in manchen Marktphasen mehr, in manchen weniger. Somit ist die aktive Informationsbeschaffung und -auswertung eine ständige Herausforderung und harte Arbeit.


Quellen:

[1] Wikipedia, Efficient Market Hypothesis, Zugriff am 15.04.2015,

http://en.wikipedia.org/wiki/Efficient- ... hypothesis

[2] Grossman, S. J. / Stiglitz, J. E. (1980), On the Impossibility of Informationally Efficient Markets, The American Economic Review, Vol. 70, Issue 3, S. 393-408

 

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